Alfred Lichter retrospektiv zur ALART

Die Fundación Lichter in Alaró ist zur ALART wieder mit einer Ausstellung dabei. Die Exposition ALFRED  LICHTER – IN RETROSPECT gibt - wenn auch nur bruchstückhaft - Einblicke in das umfangreiche Gesamtwerk des Malers.

Zu sehen sind frühe Arbeiten aus den 1940iger Jahren bis zu Bildern, die kurz vor dem Tod des Künstlers entstanden sind. Alfred Lichter (1917 – 2012) gehörte nach 1945 zur jungen Künstlergeneration, die nach Orientierungen suchte, sich der Klassischen Moderne verpflichtet fühlte und aufgeschlossen zeitgenössische Strömungen aufnahm. Sein kleinformatiges Bild „Das rote Sofa“ wurde 1947 in München mit einem Preis nominiert. Auch „Der Musenkuss“, angeregt durch Marc Chagalls poesievolle Bildformulierungen, stammt aus dieser Schaffensperiode des Malers.

Für Alfred Lichter waren es sehr lange die Expressionisten, insbesondere Ludwig Kirchner, deren Bildschöpfungen ihn in Bann hielten und denen er - bis zu Adaptionen - nachstrebte. Die Faszination für die expressive Bildsprache, mit der sich Betroffenheit so unverfälscht und direkt ausdrücken ließ, hatte bereits sein Zeichenlehrer geweckt, als diese Kunst noch als entartet galt. Interessiert verfolgte Lichter aber auch aktuelle Kunstpositionen, suchte darin seine Anknüpfungspunkte, übernahm Bildvokabular und transformierte es für seine Kompositionen, bis sich ein Konzept für ihn jeweils erschöpft hatte.

Nicht alle Werkreihen sind in dieser Ausstellung vertreten, dennoch ist die Fundación bestrebt, ein möglichst breit gefächertes Spektrum aus dem Œuvre zu präsentieren. Figuratives steht neben späten abstrakten Bildern, die sich nicht mehr auf Gegenständliches beziehen  und schon gar nicht Geschichten erzählen wollen, sondern nur noch reinen Ausdruck durch Farbe und Form darstellen. Das „Ego“, sagte der Maler gern, habe er darin ganz zurückgenommen. Soweit damit keine bestimmte Botschaft oder subjektive Befindlichkeit mitzuteilen beabsichtigt war, trifft das zu. Seine unverwechselbare Persönlichkeit und unverkennbare künstlerische Haltung finden sich in den späten Werken wie „Briefe an Godot“, „Spuren“ oder „Constellationen“ ebenso wie in den frühen Kompositionen. Durchgängig ist ein starker Ausdruckswille zu spüren, der auf Spontanität und Impulsivität setzt. Wie ein roter Faden zieht sich das durch nahezu alle Werkgruppen. Im Spätwerk setzte er im Schaffensprozess zunehmend auf Zufallsspuren des Materials - deutlich auch in den großformatigen „Briefen an Godot“ zu entdecken.

Die Arbeiten der Werkreihe „Horizonte“, überzeugend in ihrer Konsequenz, zeigen eine ganz andere Seite im Œuvre des Künstlers und verweisen auf eine Phase strenger formaler Auseinandersetzungen in den 1970iger Jahren. Indem er in der Vielfalt der Erscheinung Ordnung und Struktur suchte, fand er diese abstrahierten klaren Landschaftsbilder.

Auch wenn späte Werke den Betrachter mitunter zu vielfältigen Assoziationen mit Naturerscheinungen anregen, hat der Künstler solche Intentionen stets verneint. Die Natur sei viel zu vollkommen, um ihr bildnerisch beizukommen, sagte er gelegentlich. Er schöpfte diese Bilder, wie er wiederholt betonte, vor allem aus dem Unbewussten. Aber wer vermag im selbstvergessenen Gestaltungsprozess die Vernetzung von Empfundenem, Erlebtem, Gesehenem und frei Erfundenem zu entflechten? Dem Betrachter wollte er vor allem den Blick dafür weiten, dass es neben der materiellen und rational erfassbaren Realität noch eine unermessliche geistige Welt gibt, die zu unserem Wesen gehört.

Ergänzt wird die Ausstellung mit einer Reihe Editionen, die auf Lichters bezaubernd heiterer Werkreihe „What a wonderful world“ aus den 1990iger Jahren beruhen und von der humorvoll-verschmitzten Erzählkraft des Künstlers zeugen.

Sämtliche Werke dieser Ausstellung sind zu erwerben. Die Vernissage ist anlässlich der ALART am 8. August 2014 um 20 Uhr. Die Dauer der Exposition ist bis Ende Dezember geplant.

Auch bei der AL Art 2013 ist die Fundació Lichter Alaró wieder mit einer attraktiven Ausstellung dabei. Mit „What a wonderful world II“ werden Editionen der gleichnamigen Werkgruppe des Malers Alfred Lichter präsentiert und zum Verkauf angeboten: hochwertige Drucke in einer limitierten Auflage.

Bei der Ende der 1990er Jahre entstandenen poetischen Werkreihe „What a wonderful world“ hatte sich der Künstler insbesondere von der Ausdruckskraft naiver Kunst und Kinderzeichnungen anregen lassen. Die bezaubernden Bildschöpfungen gehören zu den heitersten Arbeiten im Œuvre und sind eine „Hommage an das Leben“, wie Alfred Lichter es selbst einmal formulierte.

Die Ausstellung wird ergänzt durch Malereien aus dem Spätwerk des Künstlers. Letztere wurden zwar ohne jegliche Anspielung auf die materialistische Welt geschaffen, bieten dem Betrachter aber einen weiten Spielraum für Assoziationen von Naturerscheinungen wie Wolken, Kosmos oder dergleichen. Auch wenn der Künstler in den späten Schaffensphasen keinerlei Metaphern für Natur darstellen wollte, hat ihn doch bis zum Schluss alles Bewegte, in sich Lebendige und Veränderliche interessiert. Dies hielt auch seinen Schaffensprozess lebendig.

Einen besonderen Akzent setzt in der Werkrepräsentation am 9. August der in Palma lebende Künstler Vicenc Palmer mit seiner Aktion „Expressa’t“, in die das Publikum eine Woche lang aktiv einbezogen wird. Ausstellungsbesucher können auf einer eigens dafür aufgestellten Leinwand ihre Gedanken, Zeichen oder Zeichnungen kreieren, die der Künstler am 16. August zur Vollendung bringt. Den Interaktionsprozess hält Vicenc Palmer fortlaufend fotografisch fest. Diese Dokumentation zeigt er ebenfalls am 16. August.

Die Fundació Lichter Alaró freut sich auf zahlreiche Besucher. Auch nach der Kunstwoche in Alaró ist die Ausstellung noch bis zum 29. Oktober zu sehen.

12. Brief an Godot
12. Brief an Godot

 

Bis zum 20. April zeigt die Fundació Lichter Alaró  eine bemerkenswerte Werkreihe  des Malers  Alfred Lichter aus dem Jahr 2001:  29 Malereien, Köpfe , die der Künstler unter dem Titel „Ecce homo“ schuf. Der Zeitpunkt dieser thematischen Ausstellung ist nicht zufällig gewählt. Gehört doch das Ecce-homo-Motiv  zu einer besonderen Form  der Passionsdarstellungen und steht für die Dornenkrönung Christi. Seit dem späten Mittelalter nimmt dieses Motiv  einen wesentlichen Platz in der Kunstgeschichte ein. Neben dem religiösen Kontext steht es auch allgemein  für das Ausgeliefertsein des Menschen in einer erbarmungswürdigen, existenziellen Situation. Das Antlitz des unschuldig verurteilten und leidenden Christus wird zum Sinnbild für menschliches Leid, für äußerste Verletzbarkeit und physische Bedrohung.  Bereits in der Renaissance  wurde dem Individuum  höchste Aufmerksamkeit gewidmet.  Seitdem wurde dieses religiöse Motiv von Künstlern auch immer wieder  für Selbstdeutungen in schicksalhaften Verstrickungen  verwendet: „Ecce homo“  als Metapher  für menschliche Schlüsselgeschichten generell verschmolzen mit der Darstellung des eigenen Porträts.

Alfred Lichter griff 2001dieses religiöse Thema  nicht zufällig  auf.  Gezeichnet von schwerer Krankheit fand er für diesen unerträglichen Zustand  seinen künstlerischen  Ausdruck von Verzweiflung  und  Hoffnung zugleich – Bilder, die unter die Haut gehen. Er setzte damit auch eine  kunstgeschichtliche Tradition fort, die  von  Albrecht Dürer bis zu James Ensor und Lovis Corinth – um nur einige Meister  zu nennen – ausdrucksstarke Ecce-homo-Bildnisse hervorgebracht hat.

Mit der ihm eigenen expressiven Sprache konfrontiert Alfred Lichter den Betrachter sehr direkt und unausweichlich mit der individuellen Betroffenheit. Zorn, Verzweiflung und Auflösung einer starken Persönlichkeit  können wir in diesen Bildern lesen. Lichters  Dornengekrönter (Bildtitel: INRI, 2001) wirkt wie eine Selbstbehauptung „Noch lebe ich!“ 

Die Ausstellung wird offiziell am 15. März 2013, 20 Uhr, eröffnet.  Zur Ausstellung wird ein Katalog mit vollständigem Bild- und umfangreichen Textmaterial angeboten.

Chris Pink

Mercedes Laguens


Alfred Lichter
Alfred Lichter
Rafa Forteza
Rafa Forteza

04.08.-04.11.2012

Pressemitteilung


Neue Bilder in der „Fundació Lichter Alaró“

 

Die „Fundació Lichter Alaró“ öffnet sich anderen Künstlern. Parallel zu der Ausstellung „Einblicke“ mit jüngsten Arbeiten von Alfred Lichter stellt die Malerin Heidi Stein unter dem Titel „Phasen“aus.

 

Die Arbeiten dieser Künstlerin zeugen von Energie und sprechen von einem tiefen Gespür für Verletzungen und Einsamkeit. Schaffensphasen, das sind auch Phasen innerer Befindlichkeiten, denen die Malerin mit Pinsel und Farbe Gestalt gibt. Ihre Bilder sind gefühlt, nicht gedacht. Ob abstrakte Kompositionen oder gegenständliche Andeutungen – diese Bildschöpfungen wollen die Natur nicht abbilden. Einige Gemälde lassen Landschaften assoziieren, andere Stadtansichten, hinter denen – wie in einer zweiten Bedeutungsebene - ein Gesicht oder Augen ernst hervorlugen. Schon dadurch wird deutlich, dass es weniger um real betretbare Räume als um emotionale Räume geht, die – im doppelten Sinne des Wortes – ins Bild gebracht wurden.

 

Der Maler Alfred Lichter hat sich auch mit 95 Jahren noch nicht zur Ruhe gesetzt. Mit einer dritten Ausstellung seit Eröffnung der Stiftung überrascht er nun die Besucher mit vitalen wie farbenfreudigen, heiteren Bildern, die in den letzten Wochen entstanden sind und konzeptionell an sein Spätwerk anknüpfen.

 

Beide Ausstellungen werden am 4. August 2012 anlässlich der Alart in Alaró eröffnet.

 

                                                                                  Maria-Ilona Schellenberg

ALFRED LICHTER: "Der Weg II"

01.06.2012 - 28.07.2012

Die “Fundació Lichter Alaró” eröffnet am kommenden Freitag, dem 1. Juni, ihre zweite Ausstellung. Der Künstler Alfred Lichter, der an diesem Tag seinen 95-jährigen Geburtstag feiert,  zeigt jetzt seine zweite Wekpräsentation in der Stiftung.

Unter dem Titel “Der Weg II” werden großformatige Arbeiten des Künstlers zu sehen sein, die er in den vergangenen Monaten schuf.  Die Bilder zeugen erneut davon, welch enorme Schaffenskraft diesem hochbetagten Künstlers noch immer innewohnt. Es sind sämtlich noch unveröffentliche Arbeiten: abstrakte Malereien, die an die Ausstellung anknüpfen, mit der die Fundación am 17. März eingeweiht wurde.

Die neuen Bilder könnte man als Nahtstellen zwischen Lichters Serien “Windows” und “Spuren” bezeichnen, welche in der ersten Ausstellung zu sehen waren.

Der Künstler hat jetzt auf großformatigen Leinwänden gearbeitet und seine ganz persönliche kreative Malweise weiterentwickelt, die er in den letzten Jahren profilierte und die in seinem Schaffen bereits in den 1980er Jahren partiell anklang.

Lichter malt sowohl mit dem Pinsel, als auch mit Federn. Einige gestische Arbeiten erinnern die die informelle Malerei bzw. an “Action painting”.

Stringend verfolgt der Künstler sein Konzept, Möglichkeiten der reinen Abstraktion auszuloten.  Seine Bilder lassen uns eintauchen in unbekannte Spären sowie in geistige Räume und vermitteln somit etwas Spirituelles. Sie regen an zur tiefgreifenden Reflektion über unser Sein und zur Meditation.

Bereits am Donnerstg, dem 31. Mai, wird eine weitere  interessante Ausstellung in den Gärten des St. Regis Hotels Mardavall untern dem Titel “Skulpturen Mallorcas” eröffnet, an der Lichter mit großen Arbeiten teilnimmt - eine Gemeinschaftsausstellung mit anderen bekannten Künstlern wie u. a. Josep Mª Sirvent, Xavier Llull, Jaume Mir, Josep Mª Alaminos o Miquela Vidal.

Diese Ausstellung organisierte die “Masters Arts Galeries y Events for Art Lovers” und wird bis zum 31.8.2012 gezeigt.

 

ALFRED LICHTER: "Der Weg"

 

18.03.2012 - 26.05.2012

Auftakt in der „Fundació Lichter Alaró“

 

Die gemeinnützige Stiftung „Fundació Lichter Alaró“  zeigt ihre erste Ausstellung.Unter dem Titel „Der Weg“ zeigt sie repräsentative Werke der späten Schaffensphase Alfred Lichters, darunter noch unveröffentlichte. Daneben werden Arbeiten aus früheren Schaffensepochen präsentiert, die seine künstlerische Entwicklung zur abstrakten Malerei bereits in interessanten Ansätzen vorwegnehmen. Die Ausstellung öffnet erstmalig am 18. März von 15 bis 19 Uhr.